Maja Gilewski
Assoziierte/-r Promovierende/-r
Mittelalterliche Geschichte
Forschungsprojekt
„Zwischen Tradition und Rezeption: Konstruktionen weiblicher Heiligkeit in gallischen Heiligenviten am Übergang von der Spätantike zum Frühmittelalter"
Die dynamischen Entwicklungen im 4. Jh. n. Chr. ebneten den Weg für den Transformationsprozess der frühen christlichen Gemeinschaft zur „Volkskirche“ und ein neues christliches Selbstverständnis mit dem Leitbild einer unblutigen imitatio Christi. Damit einhergehend wurde die literarische Gattung der Märtyrerakten und -passiones von den ersten Heiligenviten abgelöst. Den ersten Lebensbeschreibungen männlicher Heiliger folgten alsbald die ersten weiblichen Heiligenviten, darunter die Vita Sactae Macrinae des Gregor von Nyssa und die Vita Melaniae Iunioris des Gerontius. Die Textgattung sollte im Hochmittelalter ihre Blüte erreichen.
Als Zentrum der Ausbildung westlichen Mönchstums nimmt Gallien eine besondere Rolle ein, kommt dessen autochthone Stellung durch heilige Persönlichkeiten wie Martin von Tours besonders zum Tragen. Ab dem 6. Jh. soll hier auch die Anzahl der Berichte über heilige Frauen ansteigen. An die Vita Genovefae reihen sich weitere Lebensbeschreibungen, darunter die Vita Monegundis des Gregor von Tours oder die Vita Radegundis des Venantius Fortunatus bzw. der Priorin Baudonivia.
Im Zentrum der Untersuchung steht die Frage nach intertextuellen Abhängigkeiten und eigenständigen Konstruktionen weiblicher, gallischer Heiligenviten des Frühmittelalters im Verhältnis zu Männern und Frauen gewidmeten Heiligenviten am Übergang von der Spätantike zum Frühmittelalter. Ziel ist es, spezifische Gestaltungsmerkmale einer christlichen heiligen Frau herauszuarbeiten, um so aufzuzeigen, wie diese aufgegriffen und gleichzeitig besondere Aspekte weiblicher Heiligkeit ausgearbeitet wurden, um so eine eigenständige Textgattung auszuformen.
Die Viten können als Reflektion zunehmender Partizipation fränkischer Führungsschichten an dem christlichen Heiligenkult weiterhin Aufschluss über die Entwicklung frühmittelalterlicher Religiosität sowie den Wandel der Vorstellungen weiblicher Heiligkeit und die Entwicklung frauenspezifischer Heiligentypen im Lateinischen Westen geben.
Curriculum Vitae
Doktorandin am Graduiertenkolleg „Autonomie heteronomer Texte in Antike und Mittelalter“
• Mentorat: Prof. Dr. Timo Stickler (FSU Jena) und Prof. Dr. Bracht (FSU Jena); extern: Prof. Dr. Dr. Jörg Bölling (Universität Hildesheim/Leibniz Universität Hannover)
• Dissertationsvorhaben: „Heteronomie und Autonomie weiblicher Heiligenviten in Gallien am Übergang von der Spätantike zum Frühmittelalter“
Master in dem interdisziplinären Studiengang Kulturen und Sprachen des Mittelmeerraums an der Georg-August-Universität Göttingen
Bachelor in den Studiengängen Geschichte und Klassische Archäologie an der Georg-August-Universität Göttingen
Studentische Hilfskraft am Archäologischen Institut Göttingen
Teilnahme an Exkursionen der Klassischen Archäologie Göttingen nach Italien und Griechenland (Aufgaben: Fundanalyse, Archäologische Fotografie)